Korea - Der Albtraum des US-Imperialismus


"Es ist falsch zu glauben, dass der US-Imperialismus nicht niedergerungen werden kann, es sei denn, große Länder kämpfen gegen ihn. Selbst kleine Länder können einen großen Feind besiegen, sobald sie Juche etablieren, die Massen des Volkes vereinen und sich trotz Opfern tapfer zum Kampf erheben. Dies ist eine sehr klare Wahrheit unserer Zeit, die durch das wirkliche Leben bestätigt wurde." (Kim Il-sung, "Great Anti-Imperialist Revolutionary Cause of Asian, African and Latin American Peoples Is Invincible", 8. Oktober 1968)

Seit über sieben Jahrzehnten steht Korea im Fadenkreuz des mächtigsten Imperiums, das die Menschheitsgeschichte je gesehen hat. Während Libyen nach seiner Entwaffnung 2011 in Schutt und Asche gelegt wurde, während der Irak nach jahrelanger Zermürbung 2003 überfallen und zerstört wurde, während Jugoslawien 1999 unter NATO-Bomben zerbrach und Afghanistan zwei Jahrzehnte unter Besatzung litt, steht Korea noch immer. Diese simple Tatsache macht das kleine Land auf der koreanischen Halbinsel zum größten Albtraum des US-Imperialismus. Denn Korea beweist Tag für Tag eine Wahrheit, die Washington verzweifelt zu verschleiern versucht: Der Imperialismus ist nicht allmächtig. Widerstand ist möglich.

Permanente Vernichtungsdrohung seit 1953

Der Koreakrieg endete nie wirklich. Am 27. Juli 1953 wurde lediglich ein Waffenstillstand unterzeichnet, kein Friedensvertrag. Seitdem befindet sich Korea in einem Zustand permanenter Bedrohung durch die größte Militärmaschinerie der Welt. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: 28.500 US-Soldaten sind dauerhaft in Südkorea stationiert, weitere 50.000 in Japan. Die US-Pazifikflotte mit ihren Flugzeugträgern, atomaren U-Booten und Kriegsschiffen patrouilliert ständig vor der koreanischen Küste. Diese Präsenz ist keine defensive Maßnahme, sondern die Grundlage für eine jederzeit mögliche Invasion.

Jahr für Jahr führen die USA mit Südkorea massive Militärmanöver durch, die explizit die Invasion der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) zum Inhalt haben. Die Manöver tragen Namen wie Foal Eagle, Key Resolve oder neuerdings Ulchi Freedom Shield und mobilisieren regelmäßig über 300.000 Soldaten. Bei diesen Übungen werden nicht nur konventionelle Angriffsszenarien geprobt, sondern auch sogenannte "Enthauptungsschläge" gegen die koreanische Führung und der Einsatz von Atomwaffen. B-52-Bomber, B-2-Tarnkappenbomber und andere moderne Waffensysteme werden demonstrativ in die Region verlegt, um die Drohung zu bekräftigen. Korea steht unter permanenter Bedrohung einer Militärintervention.

Im August 2017 erklärte der damalige US-Präsident Donald Trump, Korea werde mit "Feuer und Zorn wie die Welt es noch nie gesehen hat" konfrontiert werden, falls es den Forderungen Washingtons nicht nachkomme. Sein Nachfolger Joe Biden ließ wiederholt verlauten, dass "alle Optionen auf dem Tisch"  lägen. Was mit "allen Optionen" gemeint ist, weiß jeder, der die Geschichte der US-Interventionen kennt: Bombardierung, Invasion, Regime Change. Die permanente Drohung mit militärischer Gewalt ist keine rein hypothetische Möglichkeit, sondern tägliche Gefahr für das koreanische Volk.

Dass diese Bedrohung ernst gemeint ist, zeigt die Geschichte des Koreakrieges selbst. Von 1950 bis 1953 führten die USA unter UN-Mandat einen Vernichtungskrieg gegen Korea, der zu den brutalsten Konflikten des 20. Jahrhunderts gehört. Die USA warfen insgesamt 635.000 Tonnen Bomben auf Korea ab, mehr als im gesamten Pazifikkrieg gegen Japan. Hinzu kamen 32.557 Tonnen Napalm. Praktisch jede Stadt Koreas wurde dem Erdboden gleichgemacht. Der US-General Curtis LeMay, Kommandeur der Amerikanischen Luftwaffe, gab später zu Protokoll: "Wir gingen da rüber und führten den Krieg und verbrannten schließlich jede Stadt in Nordkorea nieder, auf die eine oder andere Weise... Über einen Zeitraum von drei Jahren oder so töteten wir - was - zwanzig Prozent der Bevölkerung?" Der US-Außenminister Dean Rusk fasste die Zerstörung später zusammen: Amerika habe "alles bombardiert, was sich in Nordkorea bewegte, jeden Stein, der auf einem anderen lag."

Nach koreanischen Angaben kamen über eine Million Zivilisten ums Leben. Russische Archivdokumente sprechen von 282.000 Menschen, die allein durch Bombardierungen getötet wurden. Westliche Historiker wie Bruce Cumings schätzen die zivilen Opfer auf etwa zwei Millionen Menschen. Eine Volkszählung aus dem Jahr 1953 zeigt, dass die Bevölkerung von 9,37 Millionen im Jahr 1948 auf 7,43 Millionen gesunken war - tatsächlich ein Verlust von 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Cumings bezeichnet die amerikanische Bombardierungskampagne als Genozid. Diese historische Erfahrung sitzt tief im kollektiven Gedächtnis des koreanischen Volkes. 

Ökonomische Strangulierung

Die militärische Bedrohung wird ergänzt durch eine Politik der systematischen ökonomischen Erdrosselung. Die Volksrepublik Korea ist das am stärksten sanktionierte Land der Welt. Die UN-Sanktionen, die seit 2006 nach dem ersten Atomtest verhängt wurden, erreichten 2016 und 2017 ein beispielloses Niveau an Brutalität. Die UN-Sicherheitsratsresolutionen 2270 vom März 2016, 2321 vom November 2016, 2371 vom August 2017, 2375 vom September 2017 und 2397 vom Dezember 2017 bilden ein Würgeschlinge, das darauf abzielt, Korea zur Kapitulation zu zwingen.

Die Resolution 2270 verbot erstmals umfassend den Export von Kohle, Eisen, Eisenerz, Gold, Titan, Vanadium und seltenen Erden - alles zentrale Exportgüter Koreas. Die Resolution 2321 verschärfte das Kohleexportverbot und fügte Kupfer, Nickel, Zink und Silber hinzu. Mit der Resolution 2371 wurden alle Kohle-, Eisen-, Blei- und Meeresfrüchteexporte vollständig verboten. Diese Maßnahmen sollten Korea nach US-Angaben über eine Milliarde Dollar pro Jahr an Einnahmen kosten - ein Drittel der gesamten Deviseneinnahmen des Landes. Die Resolution 2375 ging noch weiter und beschränkte die Erdölimporte auf 500.000 Barrel raffiniertes Öl pro Jahr, eine Kürzung um 90 Prozent. Zusätzlich wurde der Export von Textilien verboten, der wichtigsten Einnahmequelle nach den Bodenschätzen.

Diese Sanktionen treffen nicht "die Führung", wie die westliche Propaganda behauptet, sondern die Zivilbevölkerung. Die Beschränkung von Ölimporten betrifft Landwirtschaft, Transport und Heizung. Das Verbot von Maschinenimporten verhindert die Modernisierung der Industrie und Landwirtschaft. Selbst medizinische Geräte und Ersatzteile fallen unter Sanktionen, weil sie als "dual use" eingestuft werden können. Die UN-Sanktionen sind härter als jene, die je gegen das Apartheid-Regime in Südafrika oder gegen den Irak unter Saddam Hussein verhängt wurden. Sie sind ein Instrument des ökonomischen Krieges, das darauf abzielt, durch Mangel und Entbehrung die Bevölkerung gegen ihre Regierung aufzubringen.

Verschärft wird diese Blockade durch ein System von Sekundärsanktionen, das die USA seit 2016 massiv ausgebaut haben. Jedes Land, jede Bank, jedes Unternehmen, das mit Korea Handel treibt, riskiert selbst mit US-Sanktionen belegt zu werden. Der Zugang zum US-Finanzmarkt und zum Dollar-System wird als Druckmittel eingesetzt, um selbst China und Russland zur Einhaltung der Blockade zu zwingen. Die DVRK ist vollständig vom internationalen Finanzsystem abgeschnitten. Die Foreign Trade Bank Koreas und andere Finanzinstitutionen stehen auf schwarzen Listen. Überweisungen sind unmöglich, internationaler Handel wird zur Herausforderung. Das Ziel dieser Politik wurde vom damaligen US-Außenminister Rex Tillerson 2017 offen ausgesprochen: "Maximum Pressure" -maximaler Druck, um Korea in die Knie zu zwingen.

Mediale Kriegsführung: Die Konstruktion des Schurkenstaates

Die militärische und ökonomische Aggression wird flankiert von einer massiven Propagandakampagne, die Korea zum ultimativen Schurkenstaat stilisiert. In der westlichen Medienlandschaft ist Korea das Reich des Bösen schlechthin: ein "irrationales Regime", ein "Wahnsinnsstaat", eine "Bedrohung für den Weltfrieden". Diese Dämonisierung erfüllt mehrere Funktionen. Sie rechtfertigt die Sanktionen und die militärische Bedrohung, sie lenkt von den eigenen imperialistischen Verbrechen ab, und sie verhindert Solidarität mit dem koreanischen Volk.

Die Umkehrung von Täter und Opfer ist dabei das zentrale Muster. Wenn Korea einen Raketentest durchführt, ist das eine "Provokation", die "die Region destabilisiert". Wenn die USA zeitgleich mit Südkorea und Japan massive Militärmanöver mit Hunderttausenden Soldaten durchführen, bei denen die Invasion der DVRK geübt wird, gilt das als "legitime Verteidigung". Wenn Korea Atomwaffen entwickelt, ist das eine "Bedrohung für die Welt". Dass die USA tausende Atomsprengköpfe besitzen, diese auch schon zweimal gegen Zivilisten eingesetzt haben und regelmäßig damit drohen, sie erneut einzusetzen, wird als selbstverständliches Privileg der Hegemonialmacht akzeptiert.

Diese Doppelmoral zeigt sich auch im Umgang mit anderen Atommächten. "Israel"  besitzt seit Jahrzehnten Atomwaffen, ohne je dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten zu sein - kein Problem für den Westen. Pakistan entwickelte Atomwaffen in Zusammenarbeit mit westlichen Verbündeten - kein Problem. Aber Korea, das sich gegen eine existenzielle Bedrohung verteidigt, soll entwaffnen. Vasallenstaaten und Verbündete des Imperialismus dürfen Atomwaffen besitzen, Staaten des Widerstands nicht.

Die mediale Dämonisierung Koreas funktioniert auch durch die systematische Verbreitung von Gräuelpropaganda. Sogenannte "Defektoren" werden mit finanziellen Anreizen dazu gebracht, immer absurdere Geschichten zu erzählen. Je dramatischer die Geschichte, desto höher die Bezahlung durch südkoreanische und US-amerikanische Organisationen. Dass viele dieser Geschichten später als erfunden entlarvt wurden, interessiert niemanden mehr. Die Lüge hat ihre Wirkung bereits entfaltet. Kritische Stimmen, die auf Widersprüche hinweisen, werden als "Apologeten eines Diktators" diffamiert. Eine nüchterne Analyse der tatsächlichen Sicherheitslage, der historischen Hintergründe und der rationalen Motive der DVRK ist im westlichen Diskurs praktisch unmöglich.

Es geht hier nicht darum, eine unkritische Haltung einzunehmen oder interne Entwicklungen in Korea zu idealisieren. Eine Einschätzung der gesellschaftlichen Strukturen oder der ideologischen Ausrichtung Koreas kann und soll hier nicht geleistet werden. Das ist auch nicht notwendig für die zentrale Erkenntnis: Korea hat das Recht auf Selbstverteidigung gegen eine reale und massive imperialistische Bedrohung. Dieses Recht steht allen Völkern zu, unabhängig davon, wie man ihre inneren Verhältnisse beurteilt. Die Frage ist nicht, ob man mit allen Aspekten der koreanischen Politik übereinstimmt, sondern ob man das Recht eines Volkes anerkennt, sich gegen imperialistische Aggression zu wehren. Antiimperialistische Solidarität bedeutet nicht unkritische Zustimmung zu allem, sondern die prinzipielle Unterstützung des Rechts auf Selbstbestimmung und Verteidigung gegen den Hauptfeind der Völker - den Imperialismus.

Die koreanische Antwort: Überleben durch bewaffneten Widerstand

Korea hat auf diese dreifache Bedrohung - militärisch, ökonomisch, propagandistisch - mit einer Strategie reagiert, die als einzige unter den gegebenen Umständen rational ist: bewaffnete Selbstverteidigung und ökonomische Autarkie. Das koreanische Atomprogramm, das im Westen als Beweis für "Wahnsinn" oder "Aggression" dargestellt wird, ist in Wahrheit die logische Konsequenz einer nüchternen Einschätzung der imperialistischen Bedrohungslage.

Die Lektion aus den imperialistischen Interventionen der letzten Jahrzehnte ist; Staaten, die sich entwaffnen lassen, werden zerstört. Libyen ist das deutlichste Beispiel. Muammar al-Gaddafi verzichtete 2003 auf sein Atomwaffenprogramm als Gegenleistung für die Normalisierung der Beziehungen zum Westen. 2011 wurde Libyen von der NATO bombardiert, Gaddafi ermordet, das Land in einen failed state verwandelt. Der Irak besaß keine Massenvernichtungswaffen, wie die UN-Inspektoren vor 2003 feststellten. Das hinderte die USA nicht daran, das Land zu überfallen und in jahrelangem Krieg zu zerstören. Korea hat diese Lektion gelernt. Kim Jong Un formulierte es 2017 so: "Das Schicksal Libyens zeigt, dass wir den richtigen Weg gewählt haben."

Das Atomprogramm ist die einzige Garantie, dass Korea nicht das Schicksal Libyens, des Irak oder Jugoslawiens ereilt. Solange Korea Atomwaffen besitzt und die Fähigkeit, diese auch gegen US-Territorium einzusetzen, sind einem Angriff Grenzen gesetzt. Washington kann nicht mehr mit der Sicherheit kalkulieren, einen Krieg gegen Korea ohne größere eigene Verluste zu führen. Diese Abschreckung ist die Lebensversicherung Koreas. Sie ist das Ergebnis jahrzehntelanger wissenschaftlich-technischer Anstrengungen unter schwersten Bedingungen und trotz Isolation.

Ergänzt wird die militärische Selbstverteidigung durch eine Politik der ökonomischen Autarkie. Unter den Bedingungen einer totalen Blockade gibt es nur zwei Möglichkeiten: Kapitulation oder Selbstversorgung. Korea hat sich für Letzteres entschieden. Die Landwirtschaft wurde intensiviert, trotz ungünstiger klimatischer Bedingungen und begrenzter Anbauflächen. Die Industrie wurde auf Eigenproduktion umgestellt, auch wenn das technologisch rückständigere Produktionsmittel bedeutet. Die Wissenschaft konzentriert sich auf Bereiche, in denen Korea unabhängig sein muss: Raketentechnologie, Satellitentechnik, Medizin, Landwirtschaft. Diese Strategie der Selbstständigkeit ist nicht Ideologie, sondern Notwendigkeit. Ein Land, das vollständig blockiert ist, muss sich selbst versorgen können, oder es geht unter.

Die größte Herausforderung stellte der Zusammenbruch der Sowjetunion und des sozialistischen Lagers Anfang der 1990er Jahre dar. Korea verlor über Nacht seine wichtigsten Handelspartner und stand plötzlich völlig isoliert da. Die sogenannte "Arduous March" (Beschwerlicher Marsch) von 1994 bis 1998 war eine Zeit extremer Entbehrungen. Naturkatastrophen verschärften die Lage zusätzlich. Gleichzeitig verschärften die USA die Sanktionen und erhöhten die militärische Bedrohung. Die Bevölkerung mobilisierte alle Kräfte, die Regierung organisierte die Ressourcen so, dass die grundlegende Versorgung aufrechterhalten werden konnte. Dieses Überleben unter extremsten Bedingungen zeigt die Widerstandskraft des koreanischen Volkes und die Funktionsfähigkeit der Mobilisierungsstrukturen.

Die militärische Verteidigung des Landes basiert auf dem Prinzip der Massenmobilisierung. Die Korean People's Army hat etwa 1,3 Millionen aktive Soldaten, hinzu kommen Reservisten und paramilitärische Kräfte. Das gesamte Volk ist in die Verteidigung einbezogen, wie auch das Titelbild dieses Artikels symbolisiert. Soldaten, Arbeiter, Bauern, Intellektuelle - alle sind Teil der Verteidigungsstrategie. Diese Mobilisierung ist  Reaktion auf eine reale Bedrohung. Ein kleines Land mit begrenzten Ressourcen kann gegen die USA nur bestehen, wenn es die gesamte Gesellschaft für die Verteidigung mobilisiert.

75 Jahre ununterbrochener Widerstand

Der Widerstand Koreas gegen den Imperialismus begann nicht erst 1950, sondern hat eine lange historische Tradition. Von 1910 bis 1945 war Korea japanische Kolonie. Die japanische Herrschaft war brutal: kulturelle Unterdrückung, ökonomische Ausbeutung, Zwangsarbeit, sexuelle Versklavung von Frauen als sogenannte "Trostfrauen". Gegen diese Kolonialherrschaft entwickelte sich ein bewaffneter Widerstand, in dem Kim Il-sung als Guerillaführer eine zentrale Rolle spielte. Die Partisanenbewegung gegen die japanische Besatzung legte den Grundstein für die spätere Staatsgründung und prägte die politische Kultur Koreas nachhaltig. Der Kampf gegen äußere Unterdrückung, die Erfahrung des bewaffneten Widerstands und die Notwendigkeit der Selbstorganisation sind tief im kollektiven Bewusstsein verankert.

Nach der Befreiung 1945 teilten die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs Korea willkürlich entlang des 38. Breitengrads. Im Norden etablierte sich unter sowjetischer Schirmherrschaft ein sozialistisches System, im Süden installierten die USA ein antikommunistisches Regime unter Syngman Rhee. Rhee war ein brutaler Diktator, der zehntausende politische Gegner ermorden ließ, darunter das Massaker von Jeju 1948, bei dem schätzungsweise 30.000 Menschen getötet wurden. Die Teilung Koreas war und ist ein imperialistisches Verbrechen. Sie verhinderte die Selbstbestimmung des koreanischen Volkes und schuf die Grundlage für den folgenden Krieg.

Der Koreakrieg von 1950 bis 1953 war der erste große Versuch des US-Imperialismus, Korea zu vernichten. Nach anfänglichen Erfolgen des Nordens intervenierte eine UN-Koalition unter US-Führung. 16 Staaten beteiligten sich an der Invasion. Im November 1950 standen UN-Truppen kurz vor der chinesischen Grenze und drohten, ganz Korea zu besetzen. In dieser Situation griff China ein. Die chinesische Volksfreiwilligenarmee überquerte den Yalu-Fluss und rettete Korea vor der Niederlage. Dieser proletarische Internationalismus, bei dem hunderttausende chinesische Soldaten für die Verteidigung Koreas ihr Leben ließen, zeigt auch die Bedeutung internationaler Solidarität im antiimperialistischen Kampf.

Die folgenden Jahrzehnte waren geprägt von fortgesetzter Konfrontation. 1968 kaperten koreanische Streitkräfte das US-Spionageschiff USS Pueblo in umstrittenen Gewässern. Während die USA behaupteten, sich in internationalen Gewässern befunden zu haben, erklärte Pjöngjang, das Schiff habe seine Hoheitsgewässer verletzt und Spionage betrieben. Die Besatzung wurde elf Monate festgehalten, bis die USA eine Erklärung unterzeichneten, in der sie das Eindringen in koreanische Gewässer einräumten - eine Erklärung, die Washington unmittelbar danach als unter Zwang zustande gekommen zurückwies. 1969 wurde ein US-Aufklärungsflugzeug über dem Japanischen Meer abgeschossen, wobei die genaue Position und die Umstände ebenfalls umstritten blieben. 1976 ereignete sich der Panmunjom-Zwischenfall in der demilitarisierten Zone, bei dem zwei US-Offiziere beim Versuch, einen Baum zu fällen, getötet wurden.

In den 1990er Jahren, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Verlust wichtiger Sicherheitsgarantien, sah sich die DVRK einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt. Während die USA Militärbasen in Südkorea unterhielten und regelmäßig Manöver an der Grenze abhielten, verfügte die Volksrepublik über keine vergleichbaren Schutzmechanismen mehr. Vor diesem Hintergrund begann das Land mit der Entwicklung von Atomwaffen als Abschreckungsmittel. Atomtests erfolgten 2006, 2009, 2013, 2016 und 2017 - jeder Schritt begleitet von verschärften internationalen Sanktionen. Parallel dazu entwickelte die DVRK ihre Raketentechnologie, bis 2017 Tests von Interkontinentalraketen gelangen, die theoretisch das amerikanische Festland erreichen können.

Korea und die multipolare Weltordnung: Neue Bündnisse gegen den Imperialismus

Die geopolitische Situation hat sich in den letzten Jahren zu Gunsten Koreas verschoben. Die US-Hegemonie bröckelt, eine multipolare Weltordnung entsteht, in der China und Russland als Gegenpole zum westlichen Imperialismus fungieren. Korea ist nicht mehr isoliert, sondern eingebunden in ein Netzwerk antiimperialistischer Kooperation. Diese Entwicklung macht sich besonders seit dem russischen Eingreifen in der Ukraine 2022 bemerkbar.

Russland und Korea haben ihre Beziehungen massiv verstärkt. Im September 2023 traf Kim Jong Un mit Wladimir Putin in Russland zusammen. Kim besuchte dabei militärische Einrichtungen, darunter das Kosmodrom Wostotschny, Flugzeugfabriken und die Pazifikflotte. Die Botschaft war offen formuliert: Russland und Korea vertiefen ihre militärisch-technische Zusammenarbeit. Im Juni 2024 unterzeichneten beide Staaten ein "Comprehensive Strategic Partnership Treaty", das in Artikel 4 eine gegenseitige Beistandspflicht im Falle eines Angriffs festschreibt. Dies ist faktisch ein Militärbündnis.

Die Zusammenarbeit umfasst mehrere Ebenen. Korea liefert Russland massive Mengen an Munition für den antifaschistischen Krieg in der Ukraine. Schätzungen gehen von über fünf Millionen Artilleriegeschossen aus, die bis Ende 2024 geliefert wurden, sowie mindestens 100 ballistische Raketen. Diese Unterstützung ist von enormer Bedeutung für Russlands Kriegsführung. Im Gegenzug erhält Korea russische Technologie und Expertise in Bereichen wie Satellitenaufklärung, U-Boot-Technologie, Flugzeugmodernisierung und Raketenentwicklung. Im Oktober 2024 entsandte Korea zudem etwa 11.000 Soldaten nach Russland, die in der Region Kursk gegen ukrainische Angreifer kämpften. Dies ist das erste Mal, dass Korea Truppen ins Ausland entsendet.

Diese Kooperation ist für Korea von immensem strategischem Wert. Die Soldaten sammeln Kampferfahrung unter modernen Bedingungen - etwas, was die Korean People's Army seit Jahrzehnten nicht hatte. Die Waffensysteme Koreas werden im Einsatz getestet und können basierend auf den Erfahrungen verbessert werden. Die technologische Unterstützung Russlands hilft Korea, seine militärischen Fähigkeiten zu modernisieren. Besonders im Bereich der Raketenentwicklung, der U-Boot-Technologie und der Luftwaffe kann russische Expertise entscheidende Fortschritte ermöglichen.

Darüber hinaus hat Russland im März 2024 im UN-Sicherheitsrat sein Veto eingelegt gegen die Verlängerung des Mandats jener Expertenkommission, die die Einhaltung der UN-Sanktionen gegen Korea überwachen sollte. Damit ist faktisch die internationale Überwachung der Sanktionen zusammengebrochen. Russland liefert Korea zudem Öl und andere Ressourcen, die unter den UN-Sanktionen eigentlich verboten sind. Satellitenbilder zeigen, dass koreanische Tanker 2024 über 40 Mal an russischen Ölterminals anlegten. Dies sind klare Verstöße gegen die UN-Sanktionen, aber Russland schützt Korea vor Konsequenzen.

Auch China bleibt der wichtigste Handelspartner und strategische Rückhalt Koreas. Zwar ist Peking vorsichtiger in seiner öffentlichen Unterstützung, aber faktisch hält China schützend die Hand über Korea. Der Handel zwischen beiden Ländern macht über 90 Prozent des koreanischen Außenhandels aus. China ist die Lebensader Koreas unter den Sanktionen. Gleichzeitig hat China ein Interesse daran, dass Korea als Puffer zwischen China und den US-Truppen in Südkorea erhalten bleibt. Ein Kollaps Koreas würde bedeuten, dass US-Truppen direkt an der chinesischen Grenze stünden - ein Albtraum für Peking.

Antiimperialistische Solidarität

Korea praktiziert nicht nur Widerstand gegen den Imperialismus im eigenen Land, sondern unterstützt aktiv antiimperialistische Kämpfe weltweit. Diese Solidarität hat eine lange Tradition. Während des Vietnamkrieges entsandte Korea Piloten, die auf nordvietnamesischer Seite gegen US-Bomber kämpften. In den 1960er und 1970er Jahren bildete Korea Guerillakämpfer aus verschiedenen afrikanischen Befreiungsbewegungen aus und lieferte Waffen. Korea unterstützte die Sandinisten in Nicaragua, die Bewegung der Blockfreien Staaten und andere antiimperialistische Kräfte.

Auch im Nahen Osten zeigte Korea frühzeitig politische und materielle Solidarität mit antikolonialen Bewegungen. Bereits seit den 1960er Jahren positionierte sich Pjöngjang öffentlich auf der Seite des palästinensischen Kampfes gegen die israelische Besatzung. Korea erkannte die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) früh an und unterhielt diplomatische Beziehungen zu ihr. Führungsfiguren wie Yasser Arafat besuchten Pjöngjang mehrfach, wo sie ideologische und symbolische Unterstützung erhielten. In dieser Zeit lieferte Korea der PLO materielle Ausrüstung, Ausbildungsmöglichkeiten und politische Rückendeckung in internationalen Foren.

In späteren Jahrzehnten berichteten verschiedene Geheimdienste und UN-Untersuchungen, dass Korea auch militärische Ausrüstung an palästinensische Gruppen geliefert hat. Dazu zählten unter anderem leichte Waffen, Munition und Kommunikationstechnik, die über Drittländer oder verdeckte Kanäle gehandelt wurden. Obwohl die genaue Zuordnung einzelner Lieferungen schwierig ist - viele laufen über komplexe Zwischenhändler - gilt Korea seit den 1980er Jahren als eines der Länder, die palästinensische Organisationen in ihrem Konflikt mit der zionistischen Entität technisch und logistisch unterstützten.

Die Lieferung von Waffen und Munition an Russland ist nicht nur eine bilaterale Transaktion, sondern ein Akt antiimperialistischer Solidarität. Russland kämpft in der Ukraine gegen die NATO-Expansion, gegen die Einkreisung durch den Westen, gegen den Versuch, es zu einem Vasallenstaat des Imperialismus zu machen und zugleich gegen das faschistische Marionettenregime in Kiew. Dieser Kampf ähnelt dem koreanischen Kampf gegen den US-Imperialismus. Die Unterstützung Russlands durch Korea ist sowohl konsequent antiimperialistisch als auch antifaschistisch. Sie richtet sich gegen die Wiedererrichtung eines Blocks aus Imperialismus, ukrainischem Ultranationalismus und neonazistischen Formationen, die als Stoßtrupp für die geopolitischen Interessen der USA und der NATO dienen.

Kim Il-sung formulierte bereits 1968 das Prinzip der internationalen Solidarität so: "Die Völker Asiens, Afrikas und Lateinamerikas haben gemeinsame Interessen und befinden sich in der Position, sich gegenseitig in ihrem antiimperialistischen und anti-US-Kampf zu unterstützen." Diese Maxime gilt bis heute. Solange der Imperialismus existiert, muss die Solidarität zwischen den unterdrückten Völkern fortbestehen. Korea beweist durch seine Unterstützung für Russland, dass es diese Solidarität nicht nur predigt, sondern praktiziert.




Warum Korea der Albtraum des Imperialismus bleibt

Korea ist aus mehreren Gründen der Albtraum des US-Imperialismus. Erstens: Korea beweist, dass Widerstand möglich ist. Jedes Jahr, das Korea überlebt, jede erfolgreiche Raketentests, jede Demonstration militärischer Stärke zeigt der Welt, dass das US-Imperium nicht allmächtig ist. Diese symbolische Bedeutung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Für Millionen Menschen in Venezuela, Kuba, Iran, Syrien und anderen Ländern, die unter imperialistischem Druck stehen, ist Korea ein lebender Beweis dafür, dass man nicht nachgeben muss. Der Widerstand lohnt sich. Man kann überleben. Diese Botschaft ist für Washington gefährlicher als jede koreanische Rakete. Jeder Tag, an dem Korea existiert, ist ein Tag, an dem die imperialistische Propaganda von der "unvermeidlichen"  Durchsetzung westlicher Interessen Lügen gestraft wird.

Korea kann militärisch nicht besiegt werden, und das ist keine Propaganda, sondern nüchterne militärische Realität. Korea ist ein gebirgiges Land mit einer eingegrabenen, dezentralisierten Infrastruktur. Militärische Anlagen, Kommandozentralen sowie viele Produktionsstätten befinden sich in unterirdischen Bunkern, die gegen Bombardierung geschützt sind. Die Korean People's Army verfügt über eine der größten Artilleriekonzentrationen der Welt, stationiert in Reichweite von Seoul, einer Metropole mit über zehn Millionen Einwohnern. Ein Angriff auf Korea würde bedeuten, dass Millionen südkoreanischer Zivilisten in unmittelbarer Gefahr wären. Hinzu kommen die Atomwaffen. Korea besitzt schätzungsweise 40 bis 60 Atomsprengköpfe und die Mittel, diese auch gegen US-Territorium einzusetzen. Ein Krieg gegen Korea könnte für die USA katastrophale Verluste bedeuten, sowohl in Südkorea als auch auf eigenem Territorium. 

Die ökonomische Erdrosselung ist gescheitert. Dreißig Jahre härteste Sanktionen haben Korea nicht kollabieren lassen. Die Lebensbedingungen sind hart, die ökonomische Entwicklung ist begrenzt, aber Korea steht. Die Strategie der Selbstversorgung funktioniert bei einem Volk, das entschlossen ist zu überleben. Und seit Russland und China ihre Unterstützung verstärkt haben, sind die Sanktionen noch weniger effektiv. Schwarzmärkte, Schmuggel, inoffizielle Handelswege - Korea hat Wege gefunden, die Blockade zu umgehen. Die russischen Öllieferungen, die chinesischen Getreideexporte, die technologische Zusammenarbeit mit beiden Ländern zeigen, dass die Isolation Koreas nicht vollständig ist und nicht vollständig sein kann, solange es Staaten gibt, die bereit sind, dem imperialistischen Diktat zu widerstehen.

Korea delegitimiert das gesamte imperialistische Narrativ. Die westliche Propaganda behauptet, dass nur "Demokratie"  und "freie Märkte"  Wohlstand und Stabilität bringen können. Korea beweist das Gegenteil. Trotz totaler Blockade, trotz permanenter Kriegsdrohung, trotz der Zerstörung im Koreakrieg hat das Land ein funktionierendes Bildungssystem aufgebaut, eine kostenlose Gesundheitsversorgung etabliert, die Alphabetisierung erreicht und eine Wissenschaft entwickelt, die in der Lage ist, Satelliten ins All zu schießen und Interkontinentalraketen zu bauen. Diese Leistungen sind umso beeindruckender, wenn man bedenkt, unter welchen Bedingungen sie erbracht wurden. Korea zeigt, dass ein Volk, das die Kontrolle über seine eigenen Ressourcen behält und sich gegen imperialistische Ausbeutung wehrt, auch unter widrigsten Umständen überleben und sich entwickeln kann.

Die imperialistische Doppelmoral wird durch Koreas bloße Existenz täglich entlarvt. Während Korea für seine Atomwaffen dämonisiert wird, besitzen die USA über 5.000 Atomsprengköpfe und haben als einziges Land der Welt Atomwaffen gegen Zivilisten eingesetzt - zweimal, in Hiroshima und Nagasaki, mit über 200.000 Toten. Während Korea für seine "Menschenrechtsverletzungen" angeprangert wird, unterstützen die USA Saudi-Arabien, einen absolutistischen Staat, der öffentlich köpft und einen Genozid im Jemen führt. Während Korea als "Bedrohung für den Weltfrieden" dargestellt wird, haben die USA seit 1945 in über 80 Ländern militärisch interveniert, Millionen Menschen getötet und dutzende Regierungen gestürzt. Je länger Korea standhält, desto offensichtlicher wird diese Heuchelei für Menschen weltweit.

Das koreanische Beispiel beschleunigt den Niedergang der unipolaren Weltordnung. Jede Rakete, die Korea testet, jede Sanktion, die umgangen wird, jedes Abkommen mit Russland oder China zeigt, dass die USA die Welt nicht mehr nach Belieben kontrollieren können. Die multipolare Weltordnung entsteht nicht abstrakt, sondern konkret durch Staaten wie Korea, die sich weigern zu kapitulieren. Das Bündnis zwischen Korea, Russland, China, Iran und anderen Staaten des Widerstands schafft eine Alternative zur westlichen Hegemonie. Diese Alternative ist nicht perfekt, sie ist widersprüchlich, sie bringt eigene Probleme mit sich. Aber sie existiert. Und ihre bloße Existenz bedeutet, dass der Imperialismus nicht mehr allmächtig ist.

Lehren aus dem koreanischen Kampf

Was können antiimperialistische Bewegungen weltweit aus dem koreanischen Kampf lernen? Die fundamentalste Erkenntnis lautet: Verhandle niemals aus einer Position der Schwäche. Korea hat sich nie auf Abrüstungsverhandlungen eingelassen, bevor es eine glaubwürdige Abschreckung aufgebaut hatte. Die Verhandlungen mit den USA 2018 und 2019, als Kim Jong Un dreimal mit Donald Trump zusammentraf, fanden erst statt, nachdem Korea erfolgreich Interkontinentalraketen getestet hatte. Korea verhandelte von einer Position der Stärke. Als die USA sich weigerten, substanzielle Zugeständnisse zu machen, brach Korea die Gespräche ab. Diese Entschlossenheit steht im krassen Gegensatz zu Libyen, das seine Atomwaffen aufgab in der Hoffnung auf Normalisierung und dafür mit Zerstörung bezahlte.

Bewaffnete Selbstverteidigung bildet das Fundament jeder Souveränität. Die Geschichte des Imperialismus hat gezeigt, dass entwaffnete Völker unterworfen werden. Korea hat verstanden, dass militärische Stärke die Grundlage jeder Verhandlung ist. Die Atomwaffen sind keine Verhandlungsmasse, sondern die Garantie des Überlebens. Diese Lektion gilt für alle Völker, die vom Imperialismus bedroht sind. Venezuela muss seine Armee stärken. Kuba muss verteidigungsfähig bleiben. Iran darf nicht entwaffnet werden. Palästina braucht bewaffneten Widerstand. Die pazifistische Illusion, man könne durch moralische Appelle oder internationale Institutionen Gerechtigkeit erlangen, ist eine gefährliche Täuschung. 

Der Widerstand gegen den Imperialismus ist kein Sprint, sondern ein Marathon über Generationen. Korea kämpft seit 75 Jahren. Diese Perspektive ist entscheidend für die psychologische und strategische Ausrichtung antiimperialistischer Bewegungen. Man darf nicht auf schnelle Siege hoffen. Man muss die Strukturen schaffen, die langfristig durchhalten können. Das bedeutet, solide politische Organisationen, die nicht von einzelnen Führungspersönlichkeiten abhängen, zu schaffen. Eine Ideologie, die das Volk mobilisieren und über Generationen hinweg motivieren kann. Institutionen, die auch unter extremem Druck funktionieren. Korea hat all das geschaffen. Die Juche-Ideologie, wie man sie auch bewerten mag, hat eine Funktion erfüllt: Sie hat dem koreanischen Volk eine Identität gegeben, die den Widerstand über Jahrzehnte aufrechterhalten konnte.

Internationale Solidarität ohne Unterwerfung markiert den Unterschied zwischen Befreiung und neuer Abhängigkeit. Korea hat stets internationale Unterstützung gesucht und angenommen – von der Sowjetunion, von China, nun von Russland. Aber Korea hat sich nie einem anderen Staat untergeordnet. Als die Sowjetunion in den 1960er Jahren versuchte, Korea in ihre Interessensphäre zu zwingen, widersetzte sich Kim Il-sung. Als China in den 1990er Jahren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Druck auf Korea ausübte, sich zu reformieren, blieb Korea bei seiner eigenen Linie. Diese Unabhängigkeit im Bündnis ist entscheidend. Solidarität bedeutet nicht Vasallentum. Venezuela darf nicht zum Vasallen Russlands oder Chinas werden, während es sich gegen die USA wehrt. Kuba muss seine Eigenständigkeit bewahren, auch wenn es auf Unterstützung angewiesen ist. Die antiimperialistische Front muss auf gegenseitiger Unterstützung basieren, nicht auf neuen Abhängigkeiten.

Korea hat nie geglaubt, dass der Imperialismus durch Reformen besänftigt werden könnte. Korea hat verstanden, dass Ausbeutung und Unterdrückung dem Imperialismus systemisch innewohnen. Diese nüchterne Einschätzung verhindert strategische Fehler. Man vertraut nicht auf Verträge, die jederzeit gebrochen werden können. Man glaubt nicht an "Partnerschaften" mit imperialistischen Staaten. Man baut keine Wirtschaft auf, die von westlich-dominierten Märkten abhängt. Man schafft Strukturen, die auch ohne Zustimmung der Imperialisten funktionieren.

Was Korea dem Imperialismus lehrt

Für den Imperialismus selbst ist Korea eine schmerzhafte Lektion über die Grenzen seiner Macht. Dreißig Jahre schärfste Sanktionen haben Korea nicht in die Knie gezwungen. Im Gegenteil, Korea ist heute militärisch stärker als je zuvor. Die Sanktionen haben Leid verursacht, zweifellos. Aber sie haben ihr politisches Ziel nicht erreicht. Diese Erfahrung wiederholt sich global. Die Sanktionen gegen Kuba seit über 60 Jahren haben die Revolution nicht gestürzt. Die Sanktionen gegen Venezuela haben die bolivarische Bewegung nicht zerstört. Die Sanktionen gegen Iran haben das Land nicht gefügig gemacht. Sanktionen sind ein stumpfes Schwert, das vor allem Zivilisten trifft, aber politische Systeme, die von der Bevölkerung getragen werden, nicht beseitigen kann.

Siebzig Jahre permanente Kriegsdrohung haben Korea nicht zur Kapitulation bewegt. Die jährlichen Militärmanöver, die Flugzeugträger vor der Küste, die B-52-Bomber - all das hat Korea nicht eingeschüchtert, sondern im Gegenteil in seiner Entschlossenheit bestärkt. Gegen ein Volk, das bereit ist, für seine Unabhängigkeit zu kämpfen und zu sterben, helfen keine Drohungen. Der Imperialismus kann kleine, wehrlose Länder überfallen. Aber gegen ein bewaffnetes, entschlossenes Volk ist selbst die größte Militärmacht machtlos, wenn der Preis eines Krieges zu hoch wird.

Der Imperialismus hat in Korea keine "Opposition" aufbauen können, die das System von innen stürzt. Alle Versuche, durch Propaganda, durch ökonomischen Druck, durch Infiltration einen Umsturz zu organisieren, sind gescheitert. Das liegt nicht daran, dass die Bevölkerung "gehirngewaschen" wäre, wie die westliche Propaganda behauptet, sondern daran, dass die Menschen verstehen, was auf dem Spiel steht. Sie erinnern sich an den Koreakrieg. Sie sehen, was mit Libyen, dem Irak, Afghanistan passiert ist. Sie wissen, dass ein Sturz ihrer Regierung nicht "Demokratie" bedeuten würde, sondern Krieg, Zerstörung und Unterwerfung.

Jedes Jahr, das Korea überlebt, ist ein Jahr, in dem die imperialistische Allmachtsfantasie widerlegt wird. Diese psychologische Wirkung ist immens. Für die USA bedeutet Korea eine permanente Niederlage. Eine Niederlage, die nicht zugegeben werden kann, die aber dennoch jeden Tag sichtbarer wird. Korea beweist, dass der sogenannte "Schurkenstaat" überleben kann. Dass Sanktionen umgangen werden können. Dass militärische Drohungen ins Leere laufen können. Dass die "internationale Gemeinschaft" - also der Westen - nicht die ganze Welt ist. Diese Demonstration der Grenzen imperialistischer Macht wirkt weit über Korea hinaus. Sie ermutigt andere Staaten, Widerstand zu leisten. Sie zeigt den Völkern des globalen Südens, dass Alternativen existieren.

Der Albtraum währt fort

Im Jahr 2025 steht Korea stärker da als je zuvor seit dem Ende des Koreakrieges. Die Beziehungen zu Russland haben eine neue Qualität erreicht. Das umfassende strategische Partnerschaftsabkommen vom Juni 2024 bindet beide Staaten militärisch aneinander. Die Lieferung von Munition und Raketen an Russland bringt Korea dringend benötigte Devisen und Technologietransfers. Die koreanischen Soldaten, die in Kursk Kampferfahrung sammeln, kehren als gehärtete Veteranen zurück. Die russische Unterstützung bei der Satellitenaufklärung, der U-Boot-Technologie und der Luftwaffe modernisiert Koreas militärische Fähigkeiten.

China bleibt der unverzichtbare Partner für Koreas ökonomisches Überleben. Der Handel zwischen beiden Ländern hat sich trotz Sanktionen stabilisiert. Peking lässt Korea nicht fallen, denn ein Kollaps Koreas würde bedeuten, dass US-Truppen an der chinesischen Grenze stünden. Diese strategische Notwendigkeit bindet China an Korea, unabhängig von ideologischen Differenzen oder gelegentlichen Spannungen. Die entstehende Achse Korea-Russland-China-Iran bildet einen Block des Widerstands gegen die westliche Hegemonie, der immer kohärenter und handlungsfähiger wird.

Für den US-Imperialismus bedeutet diese Entwicklung eine Katastrophe. Korea ist nicht nur nicht zusammengebrochen, sondern hat neue Verbündete gefunden. Die Sanktionen sind faktisch gescheitert, seit Russland im UN-Sicherheitsrat die Überwachung blockiert. Die militärische Option ist riskanter denn je, da Korea nun über weitreichende Raketen verfügt und Russland vertraglich zum Beistand verpflichtet ist. Die Propaganda-Kampagne läuft ins Leere, da immer mehr Menschen weltweit die imperialistische Doppelmoral durchschauen. Korea ist und bleibt der Albtraum des US-Imperialismus -ein kleines Land, das sich weigert zu sterben, und dessen bloße Existenz die Grenzen imperialistischer Macht aufzeigt.

Die Zukunft ist ungewiss. Ein Krieg bleibt möglich, besonders wenn die USA in ihrer Verzweiflung über den schwindenden Einfluss zu irrationalen Entscheidungen neigen. Aber jedes Jahr, das ohne Krieg vergeht, festigt Koreas Position. Jedes Jahr baut Korea seine Abschreckung weiter aus. Jedes Jahr wird die imperialistische Einkreisung brüchiger. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben. Aber eines steht fest: Korea hat bewiesen, dass Widerstand möglich ist. Dass ein kleines Volk einen übermächtigen Feind in Schach halten kann. Dass Entschlossenheit, Organisation und bewaffnete Selbstverteidigung die Lebensversicherung gegen imperialistische Aggression sind.

Kim Il-sung formulierte 1968 in seiner eingangs bereits zitierten Rede zum Gedenken an Che Guevara die Perspektive des internationalen antiimperialistischen Kampfes mit Worten, die heute aktueller sind denn je: "Für das Erreichen des endgültigen Sieges der Revolution müssen die Völker, die in der Umzingelung des internationalen Kapitals an die Macht gekommen sind, während sie ihre eigenen internen Kräfte in jeder Hinsicht verstärken, feste Unterstützung von anderen Abteilungen der Weltsozialistischen Revolution erhalten und sollten breite internationale Hilfe von den Arbeiterklassen aller Länder und den unterdrückten Völkern der ganzen Welt erhalten. Mit anderen Worten, Revolutionen sollten nacheinander in der Mehrheit der Länder der Welt stattfinden, in mehreren angrenzenden Ländern zumindest, um die imperialistische Einkreisung durch sozialistische Einkreisung zu ersetzen, die Barrieren des Imperialismus, die ein sozialistisches Land umgeben, sollten niedergerissen werden, um den Weg zur Umwandlung der Diktatur des Proletariats in ein weltweites System zu öffnen, und der Isolation der sozialistischen Festung eines Landes in der Einkreisung sollte ein Ende gesetzt werden, um die starken Bande der kämpferischen Solidarität der internationalen Arbeiterklassen und der unterdrückten Völker der Welt zu bilden." 

Diese Vision der weltweiten antiimperialistischen Solidarität ist keine ferne Utopie, sondern konkrete Realität im Korea des Jahres 2025. Die Unterstützung für Russlands Kampf gegen die NATO-Expansion, die Zusammenarbeit mit China gegen die US-Hegemonie, die historische Solidarität mit Befreiungsbewegungen von Vietnam bis Palästina - all das zeigt, dass Korea den internationalistischen Kampf nicht nur predigt, sondern lebt.

Nieder mit dem US-Imperialismus!

Lang lebe die internationale Solidarität der unterdrückten Völker!

Solidarität mit dem koreanischen Volk!

Kommentare

Beliebte Posts